Predigten

Gedanken zum Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis, 17.01.2021

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Weihnachtspredigt für die Webseite des PV Luebbecker Land 2020

Predigt zu Lk 2,1-14

Liebe Schwestern und Brüder, gerade eben sind die uns so vertrauten Worte des Evangeliums verklungen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in mir macht sich ein Gefühl breit, dass ich sie so wie in diesem Jahr noch nie gehört habe. Bisher war es eine vertraute Geschichte, ohne die zu hören es nicht wirklich Weihnachten ist. Sie gehörte dazu, aber – und das sage ich doch ein wenig selbstkritisch – eben nur wie eine liebgewonnene Gewohnheit, die wir, warm und satt und mit wohligem Empfinden hören.
In diesem Jahr sind mir in der Adventszeit viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Und so habe ich die Weihnachtsgeschichte ganz bewusst gelesen, langsam, so wie man Schokolade auf der Zunge zergehen lässt oder einen guten Wein genießt. Und so, wie man dabei dann die Aromen, den Geschmack ganz anders wahrnimmt, so habe ich die Geschichte ganz anders wahrgenommen. Wie klingt das für Sie:
„Es geschah aber in jenen Tagen, dass die Regierung den Befehl erließ, sich wegen Corona nicht mit anderen Menschen zu treffen. Dies geschah zum ersten Mal. Da blieben viele Menschen zu Hause, um sich nicht mit dem Virus anzustecken. So blieben auch die Christen in Ihren Häusern und hielten die Türen geschlossen.“
Wie wird diese Geschichte wohl weitergehen? Nun, immerhin haben Sie sich auf den Weg gemacht, um heute in unserer Kirche gemeinsam das Fest der Geburt von Gott als Mensch zu feiern. Und darüber freue ich mich. Christsein, das kann man einfach nicht alleine. Natürlich, beten und andächtig sein, das geht schon allein. Das muss vielleicht auch manchmal sein, um Dinge im Herzen und im Kopf klar zubekommen. Aber genau so, wie man Feste nicht alleine feiern kann, kann man einen auf Beziehung beruhenden Glauben nicht alleine leben. Gott wird Mensch – nicht, weil es im Himmel langweilig wäre und er sich mit dem Ausflug auf die Erde die Zeit vertreiben will. Nein, Gott wird Mensch, um uns das Leben erst möglich zu machen. Er wird Mensch, weil er all unser Leid genauso durchleidet. All unsere Nöte ebenso empfindet. All unsere Tränen ebenfalls weint. Er bleibt kein ferner Gott, der weit weg im Himmel thront und sich durch irgendwelche Opfer besänftigen lässt, wie es damals – und vielleicht auch heute noch? – die Menschen geglaubt haben. Gott rechnet nicht auf, Gott geht in Vorleistung. So sehr, dass er alles tut, um uns zu erlösen. Gott liebt uns Menschen, oder wie es in der Bibel an anderer Stelle heißt: „Gott ist die Liebe“. Und daher können wir unseren Glauben auch nur dann wirklich leben, wenn wir es ihm gleich tun und mit unseren Mitchristen in Beziehung treten, gemeinsam beten, singen, weinen, lachen. Darum treffen sich seit frühester Zeit die Menschen zum Gottesdienst, zum gemeinsamen Mahl, um diese Beziehung zu leben.
Maria und Josef haben damals für die angeordnete Volkszählung ihre Heimat verlassen und sind nach Betlehem gezogen. Wahrlich kein Sonntagsspaziergang in der damaligen Zeit, im Winter, für eine hochschwangere Frau. Sie werden sicher Sorgen gehabt haben, ob das alles gut geht. Und dann das: In Betlehem angekommen finden sie keine Unterkunft. Etwas, was wir heutzutage fast vergessen haben, in Zeiten, wo man mit verschiedenen Buchungsportalen über das Internet noch im letzten Winkel der Welt ein Zimmer vorab buchen kann. Und nun? Ich bin mir sicher, dass die beiden kurz vor dem Verzweifeln waren, nachts, in der Kälte, in einer fremden Gegend, ohne Dach über dem Kopf. Irgendwer hat dann Mitleid gehabt und den beiden wenigstens erlaubt, in seinem Stall, eher einer Felsgrotte, Unterschlupf zu finden. Besser als nichts, aber kein Vergleich zu einer echten Herberge oder gar unseren gemütlichen, warmen Wohnzimmern, wo wir die idyllischen Krippen aufgebaut haben. Und dort, in der Fremde, wird Maria Gott zur Welt bringen. Gott als wehrloses, hilfloses Kind. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie eine Geburt unter solchen Bedingungen gelingt. Aber dann liegt ihr Kind, ihr Sohn, unser Gott, in der Krippe, „in Windeln gewickelt“. Und keiner weiß etwas davon, fernab von Facebook, Instagram und Youtube.
Aber es soll nicht so bleiben. Doch Gottes Plan ist eben auch nicht der, zuerst bei den Schönen und Reichen aufzutauchen. Nein, im Gegenteil: Gottes Boten suchen die Armen, die Elenden als erstes auf: Hirten auf dem Feld, die Nachtwache bei ihren Herden halten. Hirten waren damals diejenigen, auf die alle skeptisch herabgeschaut haben. Weil sie immer bei ihren Tieren blieben rochen sie auch wie diese. Das Wort „Stallgeruch“ beschreibt das noch viel zu vornehm, vermute ich. Heute würden die Engel vielleicht eher bei den Obdachlosen und „Pennern“ auftauchen…
„Sie fürchteten sich sehr“ heißt es dort. Wen wunderts, mitten in der Nacht tauchen wildfremde Leute – Engel – auf. Die haben da eigentlich nichts zu suchen. Und doch sind sie da genau richtig. „Fürchtet euch nicht!“ sagt ihnen der Engel. Und dieses „Fürchtet euch nicht!“ ist das, was doch auch zu uns gesprochen wurde. Mitten in die Corona-Pandemie hinein. Das bedeutet nicht, dass wir jetzt alle Vorsichtsmaßnahmen fallen lassen sollen. Auf gar keinen Fall! Es bedeutet für mich, dass wir trotz Corona nicht unsere Hoffnungen aufgeben sollen. Dass wir trotz Kontaktbeschränkungen die frohe Botschaft weitertragen sollen. Dass Gott auch in unserer Zeit bei uns ist, wenn wir uns je nach unseren Möglichkeiten um diejenigen kümmern, denen es nicht so gut geht wie uns. Wenn wir in Beziehung bleiben, so wie er mit uns in Beziehung bleibt.
„Heute ist euch der Retter geboren“. Wir müssen nicht auf einen fernen Tag warten, um gerettet zu werden. Die Rettung, unsere Rettung, fängt bereits heute an, mitten in unserer Zeit, in unserer so wenig perfekten Welt, in unseren Ängsten und Nöten: HEUTE! Und wenn das kein Grund zur Freude ist, dann weiß ich es auch nicht.

Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit / 26.04.2020
Liebe Mitchristinnen/Mitchristen, Schwestern und Brüder, vor einiger Zeit viel mir ein Buch in die Hände mit dem Titel: Im Alltag nicht alltäglich werden. Der große Theologe Karl Rahner beschreibt in einem Aufsatz darin, wie der Alltag selbst zum eigentlichen geistlichen Weg werden kann. Viele Menschen, gleichwohl ob jung, erwachsen oder älter, auch ich selbst, wir alle haben in den letzten Wochen erlebt, wie der Alltag ganz schön abgebremst, und entschleunigt wurde. Die festlichen Ostertage sind vergangen oder haben für manch einen erst gar nicht richtig stattgefunden. Der Alltag sollte längst die gewohnte Normalität erreicht haben. Hoffnungen, Planungen, schöne Ziele, Erfolge, Gewinn sowohl privat als auch beruflich, gesellschaftlich und wirtschaftlich wurden auch ganz schön ausgebremst. Im heutigen Evangelium vom dritten Ostersonntag gibt es Parallelen. Da berichtet das Johannesevangelium (Joh.21, 1-14): Die Jünger Jesu erleben nach Ostern mitten in ihrem wieder aufgenommenen Berufsalltag als Fischer am See Genezareth, wie sie durch die Realität der Abläufe ausgebremst werden. Da heißt es: „In dieser Nacht fingen sie nichts“. Kein Erfolg, die Folge ist, also kein Gewinn. Viele erlebten/erleben das ebenso, sie sagen: „so spielt das Leben“, damals wie heute. Hinzu kommt, Berufsgruppen, Familien sowie Gemeinschaften sind eine Schicksalsgemeinschaft geworden, sie sitzen gleichsam im selben Boot. Das Evangelium berichtet: In der Enttäuschung zeigt sich Jesus plötzlich an ihrer Seite. Er.steht am Ufer und fragt: Habt ihr keinen Fisch zu essen? Nein, lautet die Antwort. Der Lebensunterhalt, die Versorgung anderer, vielleicht der eigenen Familien ist momentan keineswegs selbstverständlich gesichert. Sie stehen da mit leeren Netzen, leeren Händen. Es tat sich nichts. Trotzdem, vielleicht gerade deswegen, sind sie doch ganz offen für den, der von außen zu ihnen spricht, von dem sie zunächst noch nicht wissen, dass es Jesus ist. Er erscheint wohl nicht als Schlauberger, Besserwisser. Im Gegenteil, hier spricht eine vertraute Stimme, einer, der tief im Bewusstsein und in den Herzen dieser Jünger wohl schon oft gegenwärtig, erfahrbar war. Später wird Petrus sagen: „ Herr zu wem sollen wir gehen, du hast Worte ewigen Lebens“(Joh. 6, 68)! Hier sprechen die Erfahrungen Bände. Er, Jesus, gibt den nötigen Motivationsschub, nicht nur das, er gibt den notwendigen Ratschlag. So ändern sie ihren gewohnten Arbeitsablauf. „Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden“. Die Jünger folgen diesem Aufruf. Die Kehrtwende, der neue Anfang, ein nicht immer – so weiter wie bisher – tut sich auf. Jetzt werden sie vom reichen Fischfang beschenkt. Es kann eben nicht immer alles sein und bleiben wie es war. Betriebsblind, von Routine gelenkt, können auch wir die Abläufe, die scheinbare Versicherung oder der Absicherung des Lebens schnell als allzu selbstverständlich einschätzen. Die bodenständigen Jünger Jesu klagen hier nicht. Klagen macht gesellig, bringt nur nicht weiter. Gelassen, fast
demütig, lassen sie sich belehren und versuchen dran zu bleiben. Da sind die Kräfte, die sich aus der Begegnung mit dem Auferstandenen ergeben. Das Wort Jesu kommt zum Tragen, wird tragfähig in ihrem Alltag. Ja, der Herr baut die Jünger physisch und psychisch wieder auf. Es verbinden sich die Initiative Jesu mit der Initiative der einfachen Fischer. Gott handelt da nicht an den Jüngern vorbei. Beides gehört zusammen, unsere Möglichkeiten, unser Handeln gehen einher mit dem was er uns gibt: Geist und Sendung! Kraft, Hoffnung, Mut! „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt“! Das Kohlenfeuer, das Brot, der Fisch, die Gemeinschaft mit Jesus, all das stärkt die Jünger an Leib und Seele. Auch hier ist es ein Nehmen und Geben. „Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch“. Er sagt nicht: Nehmt euch! Nein, er ist der Geber. Liebe Schwestern und Brüder, wir können uns im Leben eigentlich nichts einfach so nehmen, wir sind zuerst immer Empfangende. Gott ist der Geber. Da kommt es auf unsere Einstellung an. Weil wir in unserer Zeit erfahren, erleben, dass wir uns in unserem Leben nichts wirklich nehmen können, was uns nicht zuvor gegeben worden ist, werden wir dankbar, gemeinschaftlich und solidarisch. Eine Angestellte im Supermarkt sagte mir neulich, wir haben noch nie so viel Wertschätzung und Dank bekommen wie jetzt in der Zeit der Corona Krise. Diese und ähnliche Erfahrungen machen hoffentlich ganz viele Menschen im Bereich der öffentlichen Dienste, in den sozialen Einrichtungen, in den Arztpraxen und im ganz nahen, persönlichen, familiären Alltag. Ich habe in den vergangenen Wochen viele österlich-frohe Menschen erlebt, die wirklich mit dem auferstandenen Herrn in Beziehung stehen und kleine Zeichen der Ermutigung geben. Ganz viele, die die Freude am Leben bezeugen. Ich bin überzeugt, das tun wir, wenn wir im Alltag nicht alltäglich werden. Das heißt und geht so: Jesus, den Auferstandenen, immer im Alltag einbeziehen. Das geschieht, wenn wir beten, das Wort Gottes hören, wo wir uns als Gottesdienstgemeinschaft verbunden wissen, wenn wir ihn in kleinen menschlichen Gebärden der gegenseitigen Aufmerksamkeiten, Wertschätzung und Dankbarkeit erkennen, ja selber schenken, da wo wir mit anderen im guten Kontakt stehen. Ich erlebe das ganz oft und profitiere von diesem positiven Beziehungsnetz selbst. Wir haben sicherlich keinen Feiertagsgott, einzig oder vornehmlich für schöne Stunden allein in den Kirchen, hier feiern und lobpreisen wir ihn gebührend hochzeitlich in der Feier der Eucharistie. Das ist wichtig und richtig. Vergessen wir dennoch nicht, er will sich uns im Ernstfall des alltäglichen
Lebens offenbaren. Die Jünger wagten schließlich nicht zu fragen: „Wer bist du?“ Denn „… sie wussten, dass es der Herr war. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war“. Liebe Schwestern und Brüder, damit der Alltag nicht alltäglich wird, wollen wir den Auferstandenen Herrn aus der sonntäglichen Messfeier mit in den Alltag nehmen. Dabei hoffen wir, dass uns die offiziellen Eucharistiefeiern als Versammlung und Begegnung bald wieder möglich sein werden. So wird der Alltag durchdrungen, aufgewertet von Glaube, Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Der Alltag bekommt somit einen sonntäglichen Inhalt weil wir „den Alltag beten“, wie Karl Rahner zu sagen pflegt. Das Alltägliche in Beziehung setzen zu dem, der unser Leben lenkt, in seinen Händen hält, jetzt, wo der Alltag und der Sonntag etwas anders ist als gewohnt. Amen! Karl-Heinz Graute

Predigt zum Osterfest 12.04.2020

Predigt zu Karfreitag 10.04.2020

Predigt zu Gründonnerstag 09.04 2020

Predigten für Palmsonntag 05.04.2020

Gedanken zum 5. Fastensonntag Pfr. Graute Sonntag 29.03.2020