Predigten

Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit / 26.04.2020
Liebe Mitchristinnen/Mitchristen, Schwestern und Brüder, vor einiger Zeit viel mir ein Buch in die Hände mit dem Titel: Im Alltag nicht alltäglich werden. Der große Theologe Karl Rahner beschreibt in einem Aufsatz darin, wie der Alltag selbst zum eigentlichen geistlichen Weg werden kann. Viele Menschen, gleichwohl ob jung, erwachsen oder älter, auch ich selbst, wir alle haben in den letzten Wochen erlebt, wie der Alltag ganz schön abgebremst, und entschleunigt wurde. Die festlichen Ostertage sind vergangen oder haben für manch einen erst gar nicht richtig stattgefunden. Der Alltag sollte längst die gewohnte Normalität erreicht haben. Hoffnungen, Planungen, schöne Ziele, Erfolge, Gewinn sowohl privat als auch beruflich, gesellschaftlich und wirtschaftlich wurden auch ganz schön ausgebremst. Im heutigen Evangelium vom dritten Ostersonntag gibt es Parallelen. Da berichtet das Johannesevangelium (Joh.21, 1-14): Die Jünger Jesu erleben nach Ostern mitten in ihrem wieder aufgenommenen Berufsalltag als Fischer am See Genezareth, wie sie durch die Realität der Abläufe ausgebremst werden. Da heißt es: „In dieser Nacht fingen sie nichts“. Kein Erfolg, die Folge ist, also kein Gewinn. Viele erlebten/erleben das ebenso, sie sagen: „so spielt das Leben“, damals wie heute. Hinzu kommt, Berufsgruppen, Familien sowie Gemeinschaften sind eine Schicksalsgemeinschaft geworden, sie sitzen gleichsam im selben Boot. Das Evangelium berichtet: In der Enttäuschung zeigt sich Jesus plötzlich an ihrer Seite. Er.steht am Ufer und fragt: Habt ihr keinen Fisch zu essen? Nein, lautet die Antwort. Der Lebensunterhalt, die Versorgung anderer, vielleicht der eigenen Familien ist momentan keineswegs selbstverständlich gesichert. Sie stehen da mit leeren Netzen, leeren Händen. Es tat sich nichts. Trotzdem, vielleicht gerade deswegen, sind sie doch ganz offen für den, der von außen zu ihnen spricht, von dem sie zunächst noch nicht wissen, dass es Jesus ist. Er erscheint wohl nicht als Schlauberger, Besserwisser. Im Gegenteil, hier spricht eine vertraute Stimme, einer, der tief im Bewusstsein und in den Herzen dieser Jünger wohl schon oft gegenwärtig, erfahrbar war. Später wird Petrus sagen: „ Herr zu wem sollen wir gehen, du hast Worte ewigen Lebens“(Joh. 6, 68)! Hier sprechen die Erfahrungen Bände. Er, Jesus, gibt den nötigen Motivationsschub, nicht nur das, er gibt den notwendigen Ratschlag. So ändern sie ihren gewohnten Arbeitsablauf. „Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden“. Die Jünger folgen diesem Aufruf. Die Kehrtwende, der neue Anfang, ein nicht immer – so weiter wie bisher – tut sich auf. Jetzt werden sie vom reichen Fischfang beschenkt. Es kann eben nicht immer alles sein und bleiben wie es war. Betriebsblind, von Routine gelenkt, können auch wir die Abläufe, die scheinbare Versicherung oder der Absicherung des Lebens schnell als allzu selbstverständlich einschätzen. Die bodenständigen Jünger Jesu klagen hier nicht. Klagen macht gesellig, bringt nur nicht weiter. Gelassen, fast
demütig, lassen sie sich belehren und versuchen dran zu bleiben. Da sind die Kräfte, die sich aus der Begegnung mit dem Auferstandenen ergeben. Das Wort Jesu kommt zum Tragen, wird tragfähig in ihrem Alltag. Ja, der Herr baut die Jünger physisch und psychisch wieder auf. Es verbinden sich die Initiative Jesu mit der Initiative der einfachen Fischer. Gott handelt da nicht an den Jüngern vorbei. Beides gehört zusammen, unsere Möglichkeiten, unser Handeln gehen einher mit dem was er uns gibt: Geist und Sendung! Kraft, Hoffnung, Mut! „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt“! Das Kohlenfeuer, das Brot, der Fisch, die Gemeinschaft mit Jesus, all das stärkt die Jünger an Leib und Seele. Auch hier ist es ein Nehmen und Geben. „Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch“. Er sagt nicht: Nehmt euch! Nein, er ist der Geber. Liebe Schwestern und Brüder, wir können uns im Leben eigentlich nichts einfach so nehmen, wir sind zuerst immer Empfangende. Gott ist der Geber. Da kommt es auf unsere Einstellung an. Weil wir in unserer Zeit erfahren, erleben, dass wir uns in unserem Leben nichts wirklich nehmen können, was uns nicht zuvor gegeben worden ist, werden wir dankbar, gemeinschaftlich und solidarisch. Eine Angestellte im Supermarkt sagte mir neulich, wir haben noch nie so viel Wertschätzung und Dank bekommen wie jetzt in der Zeit der Corona Krise. Diese und ähnliche Erfahrungen machen hoffentlich ganz viele Menschen im Bereich der öffentlichen Dienste, in den sozialen Einrichtungen, in den Arztpraxen und im ganz nahen, persönlichen, familiären Alltag. Ich habe in den vergangenen Wochen viele österlich-frohe Menschen erlebt, die wirklich mit dem auferstandenen Herrn in Beziehung stehen und kleine Zeichen der Ermutigung geben. Ganz viele, die die Freude am Leben bezeugen. Ich bin überzeugt, das tun wir, wenn wir im Alltag nicht alltäglich werden. Das heißt und geht so: Jesus, den Auferstandenen, immer im Alltag einbeziehen. Das geschieht, wenn wir beten, das Wort Gottes hören, wo wir uns als Gottesdienstgemeinschaft verbunden wissen, wenn wir ihn in kleinen menschlichen Gebärden der gegenseitigen Aufmerksamkeiten, Wertschätzung und Dankbarkeit erkennen, ja selber schenken, da wo wir mit anderen im guten Kontakt stehen. Ich erlebe das ganz oft und profitiere von diesem positiven Beziehungsnetz selbst. Wir haben sicherlich keinen Feiertagsgott, einzig oder vornehmlich für schöne Stunden allein in den Kirchen, hier feiern und lobpreisen wir ihn gebührend hochzeitlich in der Feier der Eucharistie. Das ist wichtig und richtig. Vergessen wir dennoch nicht, er will sich uns im Ernstfall des alltäglichen
Lebens offenbaren. Die Jünger wagten schließlich nicht zu fragen: „Wer bist du?“ Denn „… sie wussten, dass es der Herr war. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war“. Liebe Schwestern und Brüder, damit der Alltag nicht alltäglich wird, wollen wir den Auferstandenen Herrn aus der sonntäglichen Messfeier mit in den Alltag nehmen. Dabei hoffen wir, dass uns die offiziellen Eucharistiefeiern als Versammlung und Begegnung bald wieder möglich sein werden. So wird der Alltag durchdrungen, aufgewertet von Glaube, Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Der Alltag bekommt somit einen sonntäglichen Inhalt weil wir „den Alltag beten“, wie Karl Rahner zu sagen pflegt. Das Alltägliche in Beziehung setzen zu dem, der unser Leben lenkt, in seinen Händen hält, jetzt, wo der Alltag und der Sonntag etwas anders ist als gewohnt. Amen! Karl-Heinz Graute

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